von Holger Czitrich-Stahl

Unter den Historikern der DDR gehörte Günter Benser (geb. 1931) zu den bedeutendsten. Er verfasste Monographien, gab Quelleneditionen zur Geschichte der kommunistischen Partei und Bewegung in Deutschland heraus und publizierte zur Arbeiterkultur, in deren Milieu er aufwuchs. Für sein in der DDR entstandenes Schaffen wurde Benser, der heute noch u.a. für den Förderkreis Archive und Bibliotheken der Geschichte der Arbeiterbewegung tätig ist, mit dem Nationalpreis der DDR ausgezeichnet. Nach ›Wende und Anschluss‹, wie er das Zustandekommen der deutschen Einheit zuspitzt, setzte er sich mit der Geschichte der DDR und ihrer ›Abwicklung‹ auseinander, die er am Schicksal des Instituts für Geschichte der Arbeiterbewegung (IfGA) und dessen Auflösung durch die ›Treuhand‹ 2013 dokumentierte.

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Die Gefahren des Friedens. Zur Krise des Gesundheitswesens im Deutschland der Nachkriegszeit

von Felicitas Söhner

Der vorliegende Band entstand im Rahmen des Projekts »The reconstruction of the public health system in Germany up to 1949« am Birkbeck College der University of London. In einer vergleichenden Studie analysiert Jessica Reinisch das Ausmaß, in dem Charakter und Umfang der öffentlichen Gesundheitsarbeit in den jeweiligen Zonen von administrativen, politischen und wirtschaftlichen Faktoren geprägt wurden. Die Zeithistorikerin untersucht wie die Alliierten nach Ende des Zweiten Weltkriegs Fragen öffentlicher Gesundheit behandelten und wie sich deren Konzepte im Laufe der Zeit veränderten.

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Lenin und die Oktoberrevolution.

von Holger Czitrich-Stahl

Der an der Berliner Freien Universität lehrende Stefan Bollinger veröffentlichte im 100. Jubiläumsjahr der beiden russischen Revolutionen gleich zwei Bücher zur historischen Erinnerung an diese Epochenzäsur von 1917. Er unternimmt in seinen beiden Büchern über die Oktoberrevolution und ihr historisches Erbe und über ihren Hauptprotagonisten Wladimir I. Lenin den Versuch, Weltereignis und Hauptprotagonisten voneinander zu trennen. Im Vorwort zum Lenin-Band macht Bollinger den Hintergrund deutlich: Die Identifikation der Oktoberrevolution mit der Person Lenins, des einstmaligen Aufbruchs einer sich als Alternative zum Kapitalismus verstehenden Bewegung mit seinem Schrifttum und seinem politischen Wirken gehört der Vergangenheit an. Durch den Zusammenbruch des Staatssozialismus sowjetischer Prägung geriet auch sein Wegbereiter immer mehr in Vergessenheit oder wurde mehr oder minder dämonisiert. Bollinger möchte beiden, der Oktoberrevolution und ihrem bedeutendsten Kopf, differenziert begegnen, um standortgebundene Bewertungen überwinden zu können.

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