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von Helmut Roewer

In dieser Buchbesprechung geht es um drei miteinander verbundene Romane von Ulrich Schödlbauer, die ich in diesem Frühjahr in zeitlich umgekehrter Reihenfolge las: Das Ungelebte, von 2007; Hiero, von 2010; Das Bersten, von 2020.

Auf die Idee, eine Sammelrezension dieser drei Bücher zu verfassen, hat mich deren Autor gebracht, mit dem sich ein kurzer schriftlicher Wortwechsel entspann, nachdem ich das jüngste dieser Bücher, nämlich Das Bersten, gelesen hatte. Zu meiner Verblüffung musste ich mir sagen lassen, dass sich meine Fragen zu den Romanfiguren aus deren Entwicklung in den beiden anderen Romanen unschwer ergebe. Während ich noch wegen dieser Antwort vor mich hin brummte, erhielt ich die Bücher per Post. Nun ja, wer A sagt, sollte auch B & C lesen können. Hier also das Ergebnis:

von Ulrich Schödlbauer

Vom Ausfälligwerden zum Ausfall: ein kleiner Schritt für den Einzelnen, ein großer Schnitt für die Menschheit.

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Den ausfälligen Kritiker erkennt man an seinem Gefolge. Flippt es aus, weiß man, er hat’s wieder getan. Fällt es aus, weiß man: Er hat die Hand gebissen, die ihn füttert.

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Regelsadisten sind Menschen, die Regeln messerscharf auslegen. Schneidet sich jemand, bemerken sie höhnisch: »Selbst schuld.«

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Verfolgungszeiten erkennt man am Anwachsen des Selbstschuldseins.

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›Selber schuld‹ bedeutet: Dem ist nicht zu helfen. ›Selbst schuld‹ bedeutet: Dem darfst du nicht helfen.

von Lutz Götze

Die Mitgliederversammlung des PEN- Zentrums Deutschland hat der ältesten NGO-Vereinigung im Lande eine Aufmerksamkeit von nie dagewesener Größe beschert. Das ist, auf den ersten Blick, eine gute Nachricht, beklagte man doch in der Vergangenheit gemeinhin den PEN als eine eher schläfrige und in die Jahre gekommene Organisation. Auf den zweiten Blick freilich wendet sich das Urteil: Die Berichterstattung in den digitalen wie in den Printmedien war, von geringfügigen Ausnahmen abgesehen, vollkommen einseitig. Tenor: Ein vergleichsweise junger und dynamischer Präsident, erst vor acht Monaten in das Amt gewählt, sei von einer Horde alter weißer Männer und Frauen gestürzt worden, denen es um nichts anderes als Machterhalt, Selbstbeweihräucherung und Traditionspflege gehe. Eine, zumal von jüngeren Mitgliedern, gewollte Erneuerung und Umstrukturierung habe deshalb nicht stattfinden können. Deniz Yücel, der vor Kraft und Energie strotzende Neuerer, sei mitsamt seinen engsten Mitstreitern das beklagenswerte Opfer.

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Sämtliche Abbildungen mit freundlicher Genehmigung der Urheber. Die frei verwendeten Motive stammen von Monika Estermann, Renate Solbach und Ulrich Schödlbauer.