Von ulleo - Pixabay, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=72732742

von Christian Müller und Gunter Weißgerber

Die FAZ nimmt am 8. November 2018 in ihrem Artikel »Fast jeder dritte Deutsche vertritt ausländerfeindliche Positionen« das Ergebnis einer Studie der Uni Leipzig zum Anlass für die Feststellung, dass ungefähr ein Drittel der Bundesbürger, im Osten fast die Hälfte, ausländerfeindliche Positionen vertritt. Soweit die hoffentlich statistisch gut gesicherte Untersuchung. Um die Einprägsamkeit dieser Feststellung zu vergrößern, wird in der FAZ zur Illustration ein mit Schwarz-Rot-Gold geschmückter Balkon abgebildet. Das soll dann wohl bedeuten, dass nun alle Träger dieser Farben, egal ob Politiker mit Abzeichen am Anzug und Privatleute, die am 3. Oktober die Flagge hissen, Rassisten sind.

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Paul Mersmann: Grasteufel. Aufnahme: Renate Solbach

von Ulrich Schödlbauer

Regierungen, die nicht rechtzeitig abgewählt werden, nähren sich vom Zerfall. Der Bürgerblick wendet sich von ihnen ab und einer ungewissen Zukunft zu: Was ist dort zu sehen? ›Nichts‹, verkünden die Klugen, Spötter und Resignierte in einem, ›Umbrüche‹, große Umbrüche die Vorsichtigen, die kühn sein wollen und das Unvermeidliche als überlebensgroßen Schatten an der Wand buchstabieren. Der große Rest wartet ab und vertreibt sich die Zeit damit, vor ›sich abzeichnenden‹ Tendenzen zu warnen, der Tendenz zur wachsenden Demokratiefeindlichkeit etwa – ein Dauerbrenner des politischen Geschäfts.

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Zeigefingermoral

von Gunter Weißgerber

Der Spiegel schrieb in den 80ern sinngemäß, die DDR-Deutschen seien ein Volk, das täglich um 20 Uhr kollektiv auswandere. Gemeint waren der Beginn der Tagesschau und der Informationshunger der Ostdeutschen.

So war es tatsächlich. Die DDR-Medien zwangen uns rund um die Uhr sozialistische Erziehung und Umerziehung auf, ohne uns die geringste Chance auf Pluralität der Informationen und daraus folgender individueller Meinungsbildung zu lassen. Die Folgen waren so gravierend wie absehbar: Nicht einmal die Wettervorhersage wurde geglaubt, von den Nachrichten ganz zu schweigen. Es war gruselig. Und das Ende der ›Diktatur der Arbeiter und Bauern‹ war auch in medialer Hinsicht ein glückliches, ein besonders glückliches.

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