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Ulrich Siebgeber: Der Stand des Vergessens


von Ulrich Siebgeber

An den Reaktionen auf die SPD-Wahl der neuen Vorsitzenden scheint vor allem eines echt zu sein: das Erstaunen. Ex negativo kann man daraus schließen, was die Mehrzahl der Kommentatoren, berufen oder unberufen, von der innerparteilichen Demokratie der Genossen halten: nichts. Allen galt als so gut wie bewiesen, dass das Paar Geywitz/Scholz das Rennen machen würde: Schließlich wollte es die Parteispitze so und das allein würde zählen. Mit der Wahl vom vergangenen Samstag ist der Partei auf einen Streich gelungen, woran ihre große Konkurrentin seit längerem erfolglos laboriert: Sie hat sich der Mitverantwortlichen vom Sommer 2015, dessen Erbschaft noch immer die politische Landschaft vergiftet, endgültig entledigt und ihr gelang die Rückkehr zu innerparteilichen Verhältnissen, wie sie zuletzt Anfang der dreißiger Jahre herrschten: Sie ist jetzt charismafreie Zone.

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von Ulrich Siebgeber

Erinnerung an Leipzig-Connewitz, Sommer 1991: der eingeflogene West-Dozent unterwegs auf Parkplatzsuche nahe der damaligen Szenekneipe Backwahn, dirigiert von ein paar im Fond sitzenden Studenten … einer klugen, munteren Gruppe, vereint durch die Aussicht, einen Abend lang über das Land und seine Zukunft zu diskutieren. Plötzlich ein Schrei aus vier Mündern: »Gas geben!«, dazu ein dumpfer Schlag gegen das Fahrzeugheck –: nachdrücklicher ließ sich die Szene-Freiheit in jenen ferngerückten Zeiten nicht unterstreichen. Natürlich waren das die Rechten, ausgerüstet mit Fahrradketten oder was auch immer, die ihrer Enttäuschung über den davonbrausenden Feind nonverbal (vermutlich auch verbal, aber das hörten wir nicht) Ausdruck verliehen.

Leipzig, Herbst 2019: die AfD-nahe Desiderius-Erasmus-Stiftung bittet zum Kongress.

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von Ulrich Siebgeber

Stephen Bannon, den in Deutschland niemand zitieren darf, ohne sich der üblichen Formeln des Exorzismus zu bedienen, durfte darüber seit längerem plaudern, jetzt zieht es peu à peu auch in die Köpfe deutscher Redakteure ein: der ›Handelskrieg‹ zwischen den USA und China, angeblich von Donald Trump zu Klamaukzwecken vom Zaun gebrochen, um seinen Anhängern ein Spektakel nach ihrem Geschmack zu bieten, ist offenbar bloß ein Gesicht jenes strategisch angelegten Krieges um die Vorherrschaft auf diesem Planeten, der lange im Kommen war (man erinnere sich an die Verlautbarungen des Project for the New American Century und die heftigen Reaktionen, die es hervorrief) und nun wirklich entbrannt zu sein scheint.

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Sämtliche Abbildungen mit freundlicher Genehmigung der Urheber. Die frei verwendeten Motive stammen von Monika Estermann, Renate Solbach und Ulrich Schödlbauer.