von Simon Koopmann [CC BY-SA 3.0 de (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en)], vom Wikimedia Commons

von Ulrich Siebgeber

Compassion – leidenschaftliches Mitgefühl – verlangte einst Willy Brandt von der Politik. Manchmal genügt das einfache Mitgefühl, um ihr den Puls zu fühlen. Eine Schweigeminute im Bundestag, auch wenn sie vom neuen Gottseibeiuns AfD durch einen Akt der Nötigung einer Institution herbeigeführt wurde, bleibt eine Schweigeminute – ein ritueller Akt, der unmittelbar das Gedenken an das Opfer, Erinnerung an seine Qualen und Solidarität mit den Hinterbliebenen durch Enthaltung vom Wort evoziert – unmittelbar, nicht nach langem Nachdenken darüber, wer hier im Kampf der taktischen Finessierer die Nase vorn hat oder den Anschluss zu verlieren droht.

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 [Public domain], via Wikimedia Commons

von Ulrich Siebgeber

Es gibt sie wieder, die Hüterinnen. Das gute Buch, das sie vor ein paar Jahren zu Tode pflegten, indem sie bedächtig über die Seiten strichen und hauchten, das sei noch Lesen und dieses elektronische Dingsda sei die Pest, – das gute Stück ist ihren Händen entglitten und verdämmert unerhört in den Regalen an ihrem Beruf verzweifelnder Buchhändler. Wer heute an sonnigen Tagen die Parks durchschlendert, eine frisch erworbene Zeitung in der Hand oder eines dieser Hochglanzprodukte, deren Sponsoren gern im Hintergrund...

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Zabern Militärpatrouille. Wikimedia Commons

Die fiktiven Tagebücher des Leutnants Forstner (Katharina Kellmann) erinnern an jenen Typus des nassforschen Leutnants, der das zweite Kaiserreich erst zur Karikatur und dann zum warnenden Schreckgespenst avancieren ließ: Sinnbild eines Militarismus, der alle gesellschaftlichen Bereiche unterwandert, sofern ihm nicht rechtzeitig Einhalt geboten wird ...

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