Am 6. April 2018 starb der Historiker Reinhard Rürup. Aus diesem Anlass veröffentlichen wir – anstelle eines Nachrufs – die folgende persönlich gehaltene Rede unseres Herausgebers Peter Brandt

Festansprache anlässlich des 80. Geburtstages von Reinhard Rürup am 29. Mai 2014 im Lichthof der Technischen Universität Berlin

Verehrte Frau Rürup, verehrter Herr Rürup, geschätzte Familienangehörige und Freunde, liebe Kolleginnen und Kollegen, meine Damen und Herren!

Dass gerade ich heute hier stehe, ist wohl nicht zufällig. Reinhard Rürup ist mein Lehrmeister nicht nur während eines Wegabschnitts meiner akademischen Laufbahn gewesen, wie es für etliche der Anwesenden gilt, sondern mein Lehrer über eine lange Strecke. Sein erstes Semester als Dozent an der Freien Universität Berlin, damals noch Wissenschaftlicher Oberassistent, im Sommersemester 1968 war mein erstes Studiensemester.

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von Christoph Jünke

Als er die Nachricht bekam, soll sich der Vater der westdeutschen Demokratie, Bundeskanzler Konrad Adenauer, seinem Tross von Mitarbeitern und Journalisten halb überrascht und halb triumphierend zugewandt und ausgerufen haben: »Nun raten Se mal, meine Herren, wat da soeben passiert ist. (…) Den Agartz haben se verhaftet!« Das war am 25. März 1957. Und auch wenn sich heute nur noch wenige an den Namen Viktor Agartz erinnern, war doch der streitbare Gewerkschafter und radikale Sozialdemokrat eine der wichtigsten Persönlichkeiten der deutschen Innenpolitik der 1950er Jahre.

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Marina Newcastle upon Tyne

von Christoph Jünke

Im Jahre 2006 erinnerte Arno Klönne in einem kleinen Zeitungsartikel an den hundertsten Geburtstag von Wolfgang Abendroth und pries dabei dessen politisch-intellektuellen Charakter. Abendroth sei ein linker Politikanalytiker in der Tradition der klassischen Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung gewesen, der die Entschiedenheit in der antikapitalistisch-sozialistischen Sache mit einem freundlichen Umgang ebenso mischte wie die Schärfe des politischen Geistes mit der Ablehnung jeder Effekthascherei. Abendroth habe Theorie und Praxis nicht auseinander gerissen und politische Wirksamkeit in Gewerkschaften, Parteien und sozialen Bewegungen mit der Mitarbeit in publizistischen Projekten und linken Kleingruppen verbunden. Er habe dabei beschränkte Sichtweisen ebenso kritisiert wie Scheinradikalität, und wollte die Bürokratisierung linker Organisationsformen ebenso überwinden wie die rechthaberische Isolation im gesellschaftlichen Gegen-Ghetto. Ein solcher Politikanalytiker, so Klönne vor nun einem Jahrzehnt, sei der deutschen Linken zu wünschen, doch leider gebe es ihn nicht.

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