von Herbert Ammon
In einem Artikel zum 250. Jubiläum der Unabhängigkeitserklärung der USA ( H.A. in: Globkult, 02.07.2026, https://www.globkult.de/geschichte/zeitgeschichte/2495-der-amerikanische-independence-day-warum-geschichtsdaten-wichtig-sind ) schrieb ich bezüglich der amerikanischen Geschichtstradition folgendes: "Ideologie und Praxis der radikalen, ´woken´ Linken stößt [in den USA auch] bei gemäßigten Demokraten auf Unverständnis und Ablehnung. Der Gedanke, dass der an den Universitäten verbreitete decolonialism eine pervertierte Version des ureigenen, in Puritanismus und Aufkärung verwurzelten Universalismus - sein könnte, ist Amerikanern quer durch die Lager fremd."
Ein früherer Kollege bemerkte dazu, er möchte die These "Dekolonialismus als pervertierte Form des Universalismus" gerne näher erläutert wissen. Ich nehme die Kritik als Anstoß zu Überlegungen, die auf eine Erklärung der maßgeblich von den USA ausstrahlenden Ideologie zielen. Es geht darum, den – unter dem Etikett „wokeism“ firmierenden - jüngeren Linksradikalismus auf seine Wurzeln hin zu untersuchen und ihn aus den dem „westlichen“, aufklärerischen Denken innewohnenden Widersprüchen herzuleiten.
Die Wurzel aller politischen Bewegung – und aller Radikalismen, ob „rechts“ oder „links“ - liegt in der Auflehnung von Individuen, Gruppen oder Kollektiven gegen die jeweils etablierte Ordnung. Somit trägt auch die in den demokratischen Revolutionen etablierte Herrschaftsform den de facto unaufhebbaren Widerspruch von Herrschenden und Beherrschten (oder Regierenden und Regierten) – manifest in Begriff und Funktion der „Eliten“ - in sich. Was wir im Namen von „decolonialism“ bzw. „critical whiteness“ derzeit in den USA und in Westeuropa erleben, ist – in dialektischer Umkehrung – das Produkt des im Westen geborenen Universalismus.
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