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von Herbert Ammon

Inwieweit in einer zusehends multiethnisch und multikulturell divergierenden und desintegrierenden Gesellschaft wie der Bundesrepublik Deutschland allgemein der historischen, insbesondere der nationalgeschichtlich orientierten Erinnerung überhaupt noch Bedeutung zukommt, scheint fraglich. Das gilt im Blick auf die Zukunft selbst für die Geschichte und die symbolische Wirkkraft des Holocaust, des zentralen Bezugspunkts deutschen Gedenkens in der Gegenwart.

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von Christoph Jünke

Als er die Nachricht bekam, soll sich der Vater der westdeutschen Demokratie, Bundeskanzler Konrad Adenauer, seinem Tross von Mitarbeitern und Journalisten halb überrascht und halb triumphierend zugewandt und ausgerufen haben: »Nun raten Se mal, meine Herren, wat da soeben passiert ist. (…) Den Agartz haben se verhaftet!« Das war am 25. März 1957. Und auch wenn sich heute nur noch wenige an den Namen Viktor Agartz erinnern, war doch der streitbare Gewerkschafter und radikale Sozialdemokrat eine der wichtigsten Persönlichkeiten der deutschen Innenpolitik der 1950er Jahre.

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von Felicitas Söhner

Die Visualisierung von ›1968‹- zur Rolle des Mediums Fernsehen in der Erinnerungskultur

Bald 50 Jahre nach den Ereignissen ruft die Chiffre ›1968‹, die für ein Jahr des Aufbruchs und des Protests steht, Bilder in der kollektiven Erinnerung hervor. Gleichzeitig dauert die Debatte um Deutungsmuster weiter an. Der Historiker Martin Stallmann befasst sich in seiner Dissertationsschrift, die im Rahmen der Heidelberger Graduiertenschule für Geistes- und Sozialwissenschaften entstanden ist, weniger mit der Historisierung der Protestjahre selbst, als vielmehr mit dem Erinnern an ›1968‹. Dabei richtet er den Blick auf das Fernsehen in seiner Rolle als Chronist wie auch Akteur historischer Entwicklungsprozesse [S.8]. Das Leitmedium seiner Zeit berichtete in Dokumentationen und Diskussionsrunden über die 68er-Bewegung und thematisierte deren Bedeutung für die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Damit war das Fernsehen maßgeblich an der Konstituierung der ›68er-Generation‹ beteiligt. Auf der Basis medienhistorischer Forschung rekonstruiert Stallmann den Entstehungskontext von Medienbildern [S.21]. Als Quellengrundlage dienen dem Autor Fernsehsendungen der 1970er bis 1990er Jahre, die er anhand von Deutungen von ›1968‹ analysiert. In vier Kapiteln widmet er sich den übergeordneten Erzählmustern »Generationengeschichte« (Kapitel I), »Alteritätsgeschichte« (Kapitel II), »Gewaltgeschichte« (Kapitel III) und »Personengeschichte« (Kapitel IV).