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von Gunter Weißgerber

Die Diskussion um die sogenannte ›NATO-Osterweiterung‹ bleibt erhalten. Diskussionen lassen sich nicht abwürgen. Für die Beteiligten besteht allenfalls die Frage, ob die weitere Beteiligung daran Sinn macht. Das muss auch jeder für sich entscheiden. Ich habe mich entschieden. Bis auf diesen Text, der eventuell Ergänzungen erfahren wird, schreibe ich nichts mehr zum Thema und beteilige mich an dieser Endlosschleife nicht mehr.

Ich denke, in der Diskussion sollte zwischen belastbaren Entscheidungen und Vereinbarungen auf der einen und Interpretationen und Wünschen unterschieden werden.

von Gunter Weißgerber

Es häufen sich die Meldungen, wonach viele der russischen Soldaten nicht wissen, dass sie sich nicht im Manöver an der ukrainischen Grenze befinden, sondern Teilnehmer eines mörderischen Überfalls auf ihr Nachbarland sind.

Wäre das nicht schon 1968 beim sowjetischen Einmarsch in die CSSR genauso gewesen, damals wurde der ›Prager Frühling‹ ermordet so wie heute die demokratische Ukraine in ein faschismusähnliches Konstrukt zurück gebombt werden soll, könnten solche Meldungen auch als Kriegspropaganda des westlichen NATO- und Ukraine-Imperialismus abgetan werden. Was jedoch unmöglich ist. Die jungen und sicher überwiegend ängstlichen und traditionell schlecht versorgten Soldaten wussten beim Einmarsch in die Ukraine am 24. Februar 2022 ganz sicher nicht, dass sie zum Morden losziehen und gleichzeitig Kanonenfutter sind.

von Peter Brandt

Im osteuropäisch-slawischen Bereich, der lange zwischen den imperialen Mächten Russland, Österreich-Ungarn und dem Osmanischen Reich, in geringerem Maß auch Preußen bzw. Deutschland aufgeteilt war, vollzog sich die Nationbildung, verstanden als sozialer und kultureller Vorgang, gegenüber anderen Teilen Europas mit teilweise erheblicher Verzögerung: Die autochthonen Sprachen existierten teilweise nur oder nur noch als Bauern- und Unterschichtendialekte. Ferner waren die ethnographischen und linguistischen Verhältnisse im östlichen Teil des Kontinents dadurch gekennzeichnet, dass bis zu den großen Umsiedlungen und Vertreibungen der 1940er Jahre eine ausgeprägte Gemengelage ebenso charakteristisch war wie das Vorhandensein sogenannten ›schwebenden‹, national kaum zuordenbaren ›Volkstums‹.

Unter den diversen national-kulturellen und national-politischen Bestrebungen im östlichen Europa waren die der Ukrainer im Hinblick auf deren Existenz als Ethnonation in besonderer Weise problematisch: Die ukrainische Nationalidee ist in mehrfacher Hinsicht eng verbunden mit der russischen. Dabei geht es nicht allein um die sprachliche Verwandtschaft (beides, wie auch das Weißrussische, ostslawische Sprachen, geschrieben in kyrillischen Buchstaben) und die Nähe der religiösen Konfessionen: in der Ukraine heute drei konkurrierende orthodoxe Kirchen sowie die mit dem römischen Katholizismus verbundene, ›unierte‹ Kirche mit ebenfalls ostkirchlichem Ritus. Gemeinsam ist Russen und Ukrainern der auf die Kiewer Rus des 9. bis 12. Jahrhunderts zurückgehende nationalstaatliche Ursprungsmythos.

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Sämtliche Abbildungen mit freundlicher Genehmigung der Urheber. Die frei verwendeten Motive stammen von Monika Estermann, Renate Solbach und Ulrich Schödlbauer.