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von Lutz Götze

Alle Welt spekuliert darüber, was wohl der Herr im Kreml plane. Sogenannte Russlandexperten werden nicht müde, ihre Erklärungen über die Absichten des Wladimir Putin in die Welt zu posaunen. Oft beträgt deren Halbwertzeit nicht einmal einen Tag. Daher erstaunt es keineswegs, wenn jetzt, nach der völkerrechtswidrigen Anerkennung der Separatistenregime in Donezk und Luhansk durch Putin, der Westen in toto erschüttert ist und, in völliger Selbstüberschätzung wie Außenministerin Baerbock, den Rückzug der russischen Invasionstruppen fordert. Vollkommen überrascht sind auch Kanzler Scholz und der französische Präsident Macron, die nach ihren Gesprächen mit Putin vor einer Woche optimistisch gestimmt nach Haus zurückkehrten. Haben sie Putin nicht zugehört? Oder haben sie ihn lediglich nicht verstanden?

Dabei sind Putins Gedankengänge leicht zu begreifen. Sie resultieren aus einer sehr einseitigen Sicht auf die russische und osteuropäische Geschichte, gepaart mit Großmannssucht und einem Inferioritätsgefühl, das nach Rache verlangt.

von Ulrich Schödlbauer

Dem kanadischen Premierminister Justin Trudeau wird nachgesagt, der erste ›woke‹ Regierungschef eines Landes der westlichen Hemisphäre zu sein (man darf davon ausgehen, dass die Bezeichnung in Staaten außerhalb des Westens keinen nachvollziehbaren Sinn ergibt). Der überschlagende Eifer, mit dem der Engel der sexuellen und sonstigen Minderheiten die protestierenden Berufskraftfahrer seines Landes bekämpft, Leute, die nichts weiter wollen als wegen einer Pandemie von der Gefährlichkeit einer Grippe nach zwei Jahren nicht länger auf ihr normales Leben zu verzichten, gibt zu denken. Just Fernfahrer wissen, dass Überwachheit kein vertrauenerweckender Zustand ist, wenn jemand am Steuer eines schweren Fahrzeugs sitzt. Jedenfalls ist sie das genaue Gegenteil jener Aufgewecktheit, die nun einmal am besten durch die Fährnisse des politischen und gesellschaftlichen Lebens geleitet. Wer Konflikte, die in jeder Gesellschaft brodeln, aber gewöhnlich unter der Decke von Gleichheitsgesetzen sowie des allgemeinen Wohlverhaltens dem privaten Leben seine Aufgeregtheiten und damit Sinn verleihen, auf der Ebene forcierter Gemeinschaft lösen möchte, der schärft sie an und verleiht ihnen am Ende eine Dimension, in der sie nicht mehr lösbar erscheinen.

von Heinz Theisen

Geopolitik zwischen Imperialismus, Universalismus und Nationalismus

Mit den westlichen Lockangeboten an die Ukraine und Georgien sah sich Russland in seiner Machthemisphäre herausgefordert, die Ukraine wurde gespalten, die Krim von Russland annektiert und die Sicherheitspartnerschaft zwischen Nato und Russland ruiniert. Der Krieg im Donbass hat über 13 000 Menschenleben gekostet. Die Zahl der Binnenvertriebenen wird auf 2,5 Millionen geschätzt.

Mit dem Aufmarsch russischer Truppen an den Grenzen der Ukraine will Putin entweder die Ukraine zurück in ein russisches Imperium holen oder zumindest Sicherheitsgarantien für die Neutralität der Ukraine und anderer Anrainerstaaten einholen. Die Ukraine rechnet er zur Einflusssphäre Russlands. Ähnliches gilt für Weißrussland, den Südkaukasus, die Moldau und einige kleinere orthodox geprägte Staaten des Balkans.

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Sämtliche Abbildungen mit freundlicher Genehmigung der Urheber. Die frei verwendeten Motive stammen von Monika Estermann, Renate Solbach und Ulrich Schödlbauer.