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von Gunter Weißgerber

»Sie sollten es bitter bereuen, dass sie die Flugzeugträger außer Acht gelassen hatten«

Sonntag, 7. Dezember 1941

Mr. President, es sieht so aus, als hätten die Japaner Pearl Harbor bombardiert. (Marineminister Knox am 7. Dezember 1941 eine halbe Stunde nach dem japanischen Angriff telefonisch zu Präsident Roosevelt). Roosevelt: »Nein!« »Dann wandte er sich Hopkins zu und teilte ihm mit, aus Honolulu werde gemeldet ‚Wir werden angegriffen. Dies ist keine Übung« (S.171). Der japanische Überraschungsangriff war gelungen. Die völlig unvorbereitete US-Pazifikflotte war für den Moment ausgeschaltet. Roosevelt sah zwar den Atlantikkrieg auf die Vereinigten Staaten zukommen, mit dem pazifischen hatte er nicht gerechnet. Am 8. Dezember 1941 folgte die US-Kriegserklärung an Japan. Es folgten die deutsche und die italienische Kriegserklärung an der Seite Japans an die Vereinigten Staaten am 11. Dezember. Das Momentum lag eindeutig auf Seiten Japans, welches vorerst ungehindert auf die Rohstoffe in Südostasien zugreifen konnte. Gleichzeitig schuf Japan mit der direkten Einbeziehung der USA in den pazifischen Krieg und infolge der deutschen und italienischen Kriegserklärungen die Grundlage der späteren Niederlage der Achse Berlin-Rom-Tokio. Ein Synonym des kommenden Scheiterns ist das Zitat in der Überschrift dieser Rezension: Sie sollten es bitter bereuen, dass sie die Flugzeugträger außer Acht gelassen hatten. (S.171). Oder anders ausgedrückt: Wer sich 1941 die potenteste Wirtschaftsmacht der Erde als Gegner in einen Konflikt holte, provozierte seine eigene totale militärische Niederlage. Bis dahin konnte Roosevelt dem europäischen Krieg aus dem Weg gehen, obwohl die USA indirekt durch ihre Waffen- und Techniklieferungen an die Gegner Hitlers und Mussolinis beteiligt waren. Seit Pearl Harbor war der Krieg auch für die Vereinigten Staaten ein Weltkrieg, den sie gewinnen wollten und mussten.

von Herbert Ammon

Im Mindener Kreis pflegen Veteranen der deutschen Jugendbewegung die Erinnerung an ihre ›bündischen‹ Wurzeln, insbesondere an die weithin vergessene Rolle bündischer Gruppen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus. In der Schriftenreihe dieses Kreises ist ein Heft erschienen, das – vor dem Hintergrund reichhaltiger Literatur zur Weißen Rose und oft einseitiger Deutungen ihres Vermächtnisses – Beachtung verdient.

Der Autor Fritz Schmidt hat in sorgfältiger Archivarbeit erneut die Lebensstationen des jungen Hans Scholl in der historischen Szenerie des ›Dritten Reiches‹ verfolgt. Den Ansatz der Studie, zu der Jürgen Reulecke als Fachhistoriker ein Geleitwort beigesteuert hat, verdeutlicht der zweite Untertitel: Hans Scholl im Umfeld von dj.1.11 und sein verschlungener Weg in den Widerstand.

›Durch den EU-Beitritt verlor Ungarn seine Souveränität allerdings nicht‹

von Gunter Weißgerber

Die Idee der Europäischen Union als einer Interessengemeinschaft gleichwertiger europäischer Staaten ist faszinierend und steht in der Praxis seit dem Pariser Vertrag/Montanunion von 1951 für Prosperität, Erfolg und Anziehungskraft. War sie bis 1989 eine aus mittelosteuropäischer Sicht ein schier unerreichbarer Sehnsuchtsort der Achtung der Menschenrechte, Freiheit, Demokratie, der sozialen Marktwirtschaft, so tragen seit ihren Beitritten viele mittelosteuropäische Nationen und Staaten mit ihren Erfahrungen und Kompetenzen zum weiteren Gelingen der Europäischen Union bei. Die heutige Europäische Union verfügt über einen Erfahrungsschatz, der aus unzähligen Befreiungskämpfen und sehr verschiedenen Emanzipationserfahrungen seit der Antike besteht.