von Peter Brandt
Die Geschichtswissenschaft (oder Historik) beschäftigt sich mit sämtlichen Aspekten der Geschichte von Menschen und Menschengruppen mit dem Ziel ständig erweiterter Erkenntnis. Selbstverständlich geht es dabei nicht nur um die Rekonstruktion des Faktischen, sondern auch um dessen Ursachen und Wirkungen, um Zusammenhänge, also um Strukturen und Prozesse. Den methodischen Kern mit dem Anspruch auf relative Objektivität bildet die Kritik (im Hinblick auf ihre Aussagefähigkeit) und Interpretation der zeitgenössischen Originalquellen nach den Regeln des Fachs. Quelle kann alles Überlieferte sein, vorwiegend aber nicht allein das Schriftgut jeder Art. Stets ist vom jeweiligen in der fachwissenschaftlichen Literatur abgebildeten Forschungsstand auszugehen, der durch die eigene Forschung erweitert, u.U. auch korrigiert wird. Welche Quellen herangezogen werden, hat natürlich maßgeblich mit der Themen- und Fragestellung zu tun.
Da die jeweilige Vergangenheit nie mehr total und zweifelsfrei zu rekonstruieren ist, die Quellen meist mehr als eine Deutung zulassen, kommt dem Abwägen und Argumentieren eine wesentliche Bedeutung zu. Die Historik ist somit auch, und u.U. vorrangig, eine Diskussionswissenschaft, die, entstanden als Geisteswissenschaft, sich heutzutage zugleich als historische Gesellschaftswissenschaft (übrigens auch als Bestandteil einer Anthropologie) begreift und auch von anderen Disziplinen analytische Konzepte und Begriffe übernimmt, die sie versucht, mit der historisch vorgegebenen Sprache und Begrifflichkeit in Einklang zu bringen. Mit den in der Öffentlichkeit eingeforderten „Lehren aus der Geschichte“ ist es nicht so einfach, denn welche „Lehren“ gezogen werden könnten, hängt auch vom weltanschaulich-politischen Standort ab; deshalb erwarten wir heute, dass der jeweilige Standort von den Autoren zumindest implizit mit reflektiert wird.
von Peter Brandt
Meine Damen und Herren,
Antifaschisten, Friedensfreunde, liebe Anwesende!
Ich danke für die Einladung, heute bei dieser Gedenkveranstaltung zu sprechen. Vor ziemlich genau 80 Jahren, am 2. September 1945, endete mit der formellen Kapitulation Japans auch in Asien der Zweite Weltkrieg, auch dort mit fürchterlichen Zerstörungen und Menschenopfern. Schätzungen der Gesamtverluste allein des chinesischen Volkes reichen von 20 bis zu 35 Millionen Toten. Die kriegsverbrecherischen Atombombeneinsätze gegen die Zivilbevölkerung von Hiroshima und Nagasaki knapp einen Monat zuvor dienten nicht allein der Beschleunigung des Kriegsendes unter Vermeidung weiterer amerikanischer Verluste – Japan scheint sogar schon vorher bereit gewesen zu sein aufzugeben -, es handelte sich auch und vorrangig um die Demonstration absoluter militärischer Überlegenheit der USA in der kommenden Epoche.
Wie man einen Genossen abräumt und hernach erfolgreich die Tat verschleiert – der Mord am Leningrader Parteichef Sergej Kirow am 1. Dezember 1934
Von Helmut Roewer
Am Anfang stand ein Mord. Das Opfer war der Genosse Sergej Kirow, der am 1. Dezember 1934 tot im Smolny in Leningrad lag. Wir erinnern uns, das ehemalige Mädchenpensionat war im Herbst 1917 die Versammlungsstätte der Bolschewiki gewesen. Von hier aus hatten Lenin und die seinen die Flamme der Weltrevolution in das eigene Land getragen. Im Frühjahr 1918 allerdings war man aus Furcht vor einer Besetzung Petrograds durch deutsche Truppen mit der Regierung der Volkskommissare und dem Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Russlands (Bolschewiki) nach Moskau ausgewichen.
