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Was dürfen Kinder und Jugendliche? Was kann man ihnen zumuten? Ihnen zutrauen? Über die politische Seite dieser Fragen gibt es aktuell etliche Diskussionen:

Dass der Verfassungsschutz bedenkliche Entwicklungen bei auffälligen moslemischen Heranwachsenden beobachten darf, finden manche ungeheuerlich. Natürlich muss so etwas streng geregelt werden. Aber wir wissen ja auch, dass die Islamisten bei ihren Anschlägen immer wieder Kinder vorschicken.

Doch wer sich über die neue Regelung empört, hat nichts dabei gefunden, als die Amadeu Antonio Stiftung mit Unterstützung des Bundesfamilienministeriums kürzlich die Kindergärtner aufforderte, ihre Zöglinge auf etwaige rechtsradikale Tendenzen hin zu überwachen. Nicht etwa bei 12- oder 14jährigen, sondern bei Kindern unter 6!

Die Berliner SPD hat jetzt beschlossen, den Jugendoffizieren der Bundeswehr zu verbieten, in Schulen aufzutreten. Von Werbung für die Bundeswehr ist da die Rede; nicht erwähnt wird dabei, dass es vornehmlich um sicherheitspolitische Fragen geht und dass solche Auftritte oft auch im Rahmen von Podiums-Diskussionen vor sich gehen. Erstaunlich ist aber die Begründung: »Die Schülerinnen und Schüler müssen ihre zentralen Lebens- und Wertvorstellungen erst noch entwickeln«. (Vom notwendigen Wissen ist bei der progressiven Schulpolitik natürlich erst gar nicht die Rede)

Aber: Was Zehntklässlern noch nicht zugetraut wird, nämlich die notwendige Reife, wird auf einem anderen Gebiet, nämlich der Klimapolitik, durchaus zugebilligt, ihnen anlässlich der Fridays for Future sogar hocherfreut ein höherer moralischer Standard bestätigt als den Erwachsenen. Die meisten Medien und Politiker überschlagen sich da vor Begeisterung. Dabei ist die Klimapolitik ja ein viel komplexeres Thema als die äußere Sicherheit. Doch die zentrale Frage, die Voraussetzung jeglicher Klimapolitik, nämlich, welchen Anteil die menschliche Tätigkeit am Klimawandel hat, taucht da gar nicht erst auf. Man will die armen Kleinen ja nicht überfordern, also bleibt diese Frage in der gesamten öffentlichen Diskussion seit einiger Zeit ohnehin verpönt.

Eichengrün Ernst

Ehemaliger SPD-Politiker, geb. 1934, 1967-69 Bundessekretär der Jusos. Von 1972 bis 1991 war er Leiter der Abteilung Politische Bildung im Gesamtdeutschen Institut, von 1982 bis 1991 dessen Vizepräsident.

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Sämtliche Abbildungen mit freundlicher Genehmigung der Urheber. Die frei verwendeten Motive stammen von Monika Estermann, Renate Solbach und Ulrich Schödlbauer.