Der Verfall der Wissenschaftsfreiheit und seine Ursachen
von Henrieke Stahl
1. Deutschlands Absturz in der Wissenschaftsfreiheit
Irene Khan, die Sonderberichterstatterin der UN, vermerkt in ihrem Bericht vom 11. Juni 2026, dass es besorgniserregende Anzeichen für eine Erosion der akademischen Freiheit in Deutschland gebe, auch wenn es nach wie vor ein hohes Niveau halte. Anlass für Khans Einstufung sind der überraschend steile Absturz Deutschlands von Platz 1 in 2022 auf Platz 27 und der Wechsel aus der ersten in die zweitbeste Kategorie im Bericht des Academic Freedom Index 2025.
Deutschland steht mit seiner Erosion der Wissenschaftsfreiheit nicht allein. Alle westlichen Demokratien, die eine mehr, die andere weniger, folgen dem ungefähr 2012 weltweit einsetzenden Trend zum Abbau der Wissenschaftsfreiheit. Die westlichen Demokratien hatten am Ende des Kalten Kriegs 1990 ihr höchstes Level der Wissenschaftsfreiheit seit 1960 erreicht und waren dort mehr oder weniger konstant bis 2020 geblieben, um sich dann dem globalen Abwärtstrend anzuschließen und umso steiler abzufallen. Der Abstieg setzt sich auch heute fort.
Wie sieht die Einschränkung der Wissenschaftsfreiheit in Deutschland aus: was ist alt, was ist neu?
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