Eichengrün Ernst

Ehemaliger SPD-Politiker, geb. 1934, 1967-69 Bundessekretär der Jusos. Von 1972 bis 1991 war er Leiter der Abteilung Politische Bildung im Gesamtdeutschen Institut, von 1982 bis 1991 dessen Vizepräsident.

 Ernst Eichengrün: Zwischenrufe

Sorry, leider etwas länger geworden. Nicht, weil ich mir etwa was von der Seele schreiben müsste, sondern weil mir der Blick in die Vergangenheit notwendig erscheint. Denn nur, wenn daraus in der SPD Lehren gezogen werden, kann sich etwas grundlegend ändern.

Noch ist offen, wie es weitergeht – mit der SPD, mit der Koalition, vor allem aber beim Wähler.

Denn selbst wenn die Koalition sich noch einmal aufrappelt, wären anderthalb Jahre gutes Arbeiten keineswegs garantiert.

Das hängt davon ab:

  • ob die SPD ihre Geschlossenheit bewahren kann;

  • ob genügend Wähler ihr den neuen Aufbruch auch abnehmen oder ob es sich um ein auf die SPD begrenztes Strohfeuer, eine pure Auto-Suggestion handelt. Von nachhaltigem Erfolg kann die neue Führung nur dann sprechen, wenn sie mindestens 25% erreicht. Ein Abwenden weiteren Absturzes reicht nicht aus;

  • ob sie eine seriöse Finanzierbarkeit ihrer Vorhaben aufzeigt (gerade, weil Walter-Borjans mit dem Angriff auf die Schwarze Null unauffällig eine Bresche in den Deich der wesentlich wichtigeren Schuldenbremse des GG schlagen wollte);

  • ob sich die SPD von der unterschwelligen Vorstellung löst, wir lebten auf einer Insel, könnten isoliert von der Welt munter vor uns hinträumen und die von dieser Welt bedingten Beschränkungen unserer Handlungsfähigkeit weitgehend ignorieren…

von Ernst Eichengrün »

Kevin Kühnert: zweifellos ein guter Rhetoriker – aber auch ein begnadeter Taktiker.

Nachdem er erkannt hatte, dass für einen sofortigen Austritt aus der Groko keine Mehrheit zu finden sein würde, schaltete er auf den Kurs des ebenfalls umgeschwenkten Spitzen-Duos um und unterstützte den Leitantrag. Sonst wäre wohl die Chance auf den Stellvertreter-Posten dahin gewesen.

Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass er sich seit 2018 als Hauptgegner der Groko profiliert hatte, auch wenn er sich in letzter Zeit mit ein paar vorsichtigen Alibi-Klauseln für den taktischen Schwenk abgesichert hatte. Die aber gingen im Rede-Gewitter unter.

Er und seine Truppe haben aus der Juso-Revolution von 1969 gelernt: Nicht ein marxistisches Schild ins Schaufenster zu stellen, sondern in Sachfragen radikal aufzutreten, bringt Erfolg…

von Ernst Eichengrün »

Wir haben uns daran gewöhnen müssen, dass über die Grund-Annahmen der Klima-Politik überhaupt nicht mehr geredet wird. Als da wären: Die Prognosen zur Erderwärmung, die Rolle des CO2, dabei, die bisherigen Klima-Zyklen mit ihren Ursachen, die Rolle extraterrestrischer Ursachen, z.B. der Sonnen-Aktivität, der Anteil menschengemachter Aktivitäten und schließlich – sollten die Grundannahmen der offiziellen Politik überhaupt zutreffen – die Frage der Zeit, die uns für Änderungen bleibt.

Statt rationaler Erörterungen erleben wir eine stark unterkomplexe Darstellung der Problematik, verbunden mit der Verketzerung Andersdenkender, vor allem aber Panikmache allerorten. Zuletzt angeheizt durch die Straßendemos junger Leute. Und hemmungslos verstärkt durch die agitatorische Einseitigkeit vieler Medien. Ein kleines Beispiel. Wenn das öffentlich-linkische Fernsehen über den CO2-Ausstoß berichtet, werden gerne Rauchwolken aus großen Kühltürmen gezeigt. Doch tatsächlich ist das kein Rauch, sondern purer Wasserdampf.

von Ernst Eichengrün »
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Sämtliche Abbildungen mit freundlicher Genehmigung der Urheber. Die frei verwendeten Motive stammen von Monika Estermann, Renate Solbach und Ulrich Schödlbauer.