Kerbers Kolumne. Aufnahme: ©JCK 2020 Aufnahme: ©MCK

Dr. jur. Markus C. Kerber ist Professor für Finanzwissenschaft und Wirtschaftspolitik an der TU Berlin, Gründer von www.europolis-online.org. In seiner Kolumne nimmt er Beobachtungen aus dem politischen und juristischen Alltag der Nation zum Anlass für zeitdiagnostische Überlegungen: provokant-ironisch im Ton, tabubrechend, wo es sich empfiehlt, mit jenem Maß an Schärfe, das nötig ist, um zu sehen, in welchem Fahrwasser sich die öffentlichen Dinge hierzulande bewegen.

von Markus C. Kerber

Wenigstens einige Medien erinnerten am 13.10.2020 an den Geburtstag des ersten Nachkriegsvorsitzenden der SPD: Kurt Schumacher, geboren am 13. 10. 1985 in Kulm an der Weichsel. Während die SPD-Spitze Schumacher im Zusammenhang mit der Wennigser Konferenz zur offiziellen Neubegründung der SPD nach dem 2. Weltkrieg 1946 mehr versteckt als stolz erwähnt, ist der Erinnerungsverlust in den deutschen Medien noch nicht so weit fortgeschritten, seinen Geburtstag mit Schweigen zu übergehen. Erinnert wird zu Recht an den Lebensweg Schumachers als Sohn einer wohlhabenden westpreußischen Kaufmannsfamilie, der nach schwerer Kriegsverwundung im ersten Weltkrieg sich nicht dem Freikorps, sondern der Sozialdemokratie anschließt und fortan die erste deutsche Republik mit unbändiger Leidenschaft verteidigt. Seine flammenden Appelle im Reichstag angesichts der übermächtig werdenden Nationalsozialisten sind Legende. Dies gilt auch für seinen berühmten Satz vom Nationalsozialismus als Appell an den inneren Schweinehund im Menschen.

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von Markus C. Kerber

Wer am Tag der Deutschen Einheit den Mut fasste, einen ausgedehnten Spaziergang durch den Berliner Stadtbezirk Kreuzberg-Friedrichshain zu unternehmen, der traf auf jene Jugend- und Kreativszene, die nach Meinung vieler dem kleinsten Stadtbezirk Berlins mit immerhin fast 300 000 Einwohnern seine Würze gibt. Ja, hier ging die Post ab, könnte der wohlmeinende Beobachter und Spaziergänger milder Observanz glauben. Kaum eine location an der Spree auf östlicher oder westlicher Seite, an der nicht lange Schlangen von jungen Leuten – ganz überwiegend ohne Maske – Schlange standen, um Einlass zu irgendeinem event zu erhalten.

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von Markus C. Kerber

Bislang habe ich mich gerne mit Abdalla unterhalten. Immer wenn ich zu vorgerückter Stunde in seinen Späti am Hackeschen Markt komme, finden wir im Gespräch über Syrien und seine Heimatstadt Aleppo zusammen. Wer seit 1985 regelmäßig Syrien bereist hat, kennt auch das wunderschöne Aleppo im Norden und leidet unter der kriegerischen Zerstörung dieses Kleinods mediterraner Zivilisation. Abdalla kommt aus Aleppo, das erleichtert den Kontakt und wir reden über die zerstörte Schönheit, ohne dass ich den Eindruck habe, dass er großes Heimweh empfindet. Er hat in Syrien Jura studiert, allerdings ohne Abschluss. Schließlich biete ich ihm die Möglichkeit an, als juristischer Sachbearbeiter Erfahrungen zu sammeln.

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Sämtliche Abbildungen mit freundlicher Genehmigung der Urheber. Die frei verwendeten Motive stammen von Monika Estermann, Renate Solbach und Ulrich Schödlbauer.