Globkult

Saturday, May 19th

Last update10:18:25 AM GMT

Kultur L-iteratur

L-iteratur

Was gesagt werden kann

E-Mail Drucken PDF

von Laura Solbach

Zugegeben, aus formaler Sicht kommt das Gedicht »Was gesagt werden muss« von Günter Grass banal daher. Die Worte wirken wirklich wie mit letzter Tinte geschrieben. Ein spröder Realismus, der seine Aussage moralisierend in die Welt trompetet. Vielleicht wirkte der Text gelungener, hätte Grass eine essayistische Form gewählt. Mit seiner Gedichtform, so Grass im Gespräch mit Tom Buhrow am 05.04.2012, bediene er sich einer deutschen Tradition von Heine bis Brecht. Die provokative Rhetorik Grass’ scheint die Allgemeinheit der Leser zu verschrecken.

mehr ►

Als der alte Clown

E-Mail Drucken PDF

no warvon Ulrich Siebgeber

Als der alte Clown
sich ein vielleicht letztes Mal schminkte, sich
die rote Knollennase übers Gesicht
stülpte, die längst zu groß war,
da geschah’s, dass ihm etwas einfiel,
was er beinahe vergessen hatte, etwas, an dem er klebte,
so wie andere daran kleben, die
wie er das Sprechen vergessen hatten
oder vom Sprechen vergessen
wurden, denn auch das Sprechen
kennt seine Leute und nimmt nicht jeden.

mehr ►

Glanz und Elend der Demokratie - Rede zum Internationalen Tag der Demokratie

E-Mail Drucken PDF

von Wolfgang Biermann

Beichten will ich Ihnen hier, warum ich frommes Kind – einst konfirmiert in der Kirche des Kommunismus - die Demokratie in meiner Jugend verkannte und verachtete. Berichten will ich Ihnen, wie ich dann als junger Mann in der DDR das viel zitierte Bonmot von Winston Churchill über das Dilemma der Demokratie immerhin schon halb verstand. Erst in den lehrreichen Jahren nach meiner Ausbürgerung 1976, erst im Westen, eigentlich erst seitdem der tapfere Renegat Manés Sperber mir dann in Paris den faulen kommunistischen Zahn gezogen hatte, begriff ich den Glanz, aber auch das Elend der Demokratie schon etwas besser. »Demokratie ist eine schreckliche, eine miserable Staatsform, aber von allen, die es in der Welt gibt, die allerbeste.«

mehr ►

Batman der sieben Meere

E-Mail Drucken PDF

Gorch Fock: TiefstandsmarkeMaritime Oper in 3 Auszügen

von Ulrich Siebgeber

Anmerkung: Nachstehendes Libretterl wurde für die anstehende Bayreuther Aufführung im copy&paste-Verfahren (und selbstredend ohne fremde Hilfe) aus frei im Netz verfügbaren Textbausteinen zusammengeschustert. Erläuternde Hinweise sollten allein dem Verfasser des Machwerks zugeschrieben werden, der indes die Verantwortung von sich weist und vorsorglich dem Leser eine Art Urheber-Mitschuld anheftet, denn: ohne Lektüre ist der Text... na was wohl. (Anonymus)

A 1

Ein Segler nähert sich fremdem Gestade. Offenbar herrschen vertrauliche Zustände an Bord. Der aufmerksame Leser merkt es an Kleinigkeiten. Hier z. B. spricht der Kapitän:

Du siehst nichts?
Gelt, du wachest brav, mein Bursch!
Dort liegt ein Schiff . . .
wie lange schliefst du schon?

mehr ►

Der Knoten im Revolverlauf

E-Mail Drucken PDF

von Günter Grass

In jeder Epoche hat es Künstler gegeben, die als Antwort auf die jeweils vorherrschenden Krisen und Hoffnungen ein emblematisches Bild geschaffen haben. So Albrecht Dürer mit seinem Kupferstich Melencolia I zur Zeit des Humanismus. So Francisco Goya mit einem Blatt innerhalb der Capricio-Radierungen mit der Unterschrift Der Traum der Vernunft gebiert Ungeheuer zur Zeit der Aufklärung.
In kleinem Format sitzt die personifizierte Vernunft als schlafender Mann an einem Tisch. Über ihm bildet fabelhaftes Nachtgetier in dämonischer Ballung den düsteren Traum ab. Ein vieldeutiges Bild, das bis heute Fragen aufwirft: Ist es die Vernunft, in deren Kopf die Ungeheuer ursprünglich sind? Oder bedrohen Ungeheuer die Vernunft, weil sie schläft?
So ist auch die von dem Künstler Carl Frederik Reuterswärd geschaffene und unseren gegenwärtigen Krisen und Hoffnungen gemäße Skulptur vieldeutig, wenngleich man meint, ihren Sinn mit einem Blick erfassen zu können.

mehr ►

Melancholie

E-Mail Drucken PDF

 

von Wolf Biermann

Das Lied Melancholie widmete ich vor gut 20 Jahren dem Philosophen Emile Cioran, den ich durch Manés Sperber in Paris kennen lernte. Wir stritten uns rum über den Begriff Hoffnung. Er hasste die Hoffnung. Ich verteidigte tapfer als deutscher Linker und Blochverehrer die Theorie meines verehrten Freundes in Tübingen, das ›Prinzip Hoffnung‹. Kam aber nicht gegen diesen Cioran an. Der hielt das Geschwafel über Hoffnung

mehr ►

Seite 1 von 2