... neulich im Einstein
sah ich in der Süddeutschen einen sehr aufschlussreichen Schnappschuss aus Afghanistan. In ihrer ›Frühjahrsoffensive‹ marodierten die Taliban mal wieder durch Kabul. Im Bild sah man einen bewaffneten Einheimischen, einen sogenannten Polizisten, im, wie die Bildunterschrift euphemistisch auswies, Gefecht mit Islamisten. Nur: dieser Polizist, die viel zu großen Militärschuhe ungeschnürt, wäre nicht in der Lage gewesen, einen Gegner zu paralysieren (es sei denn durch seinen lachhaften Aufzug). Er hielt natürlich eine ›Kalaschnikow‹ in Händen, mit der er momentan aber weder Einzel- noch Dauerfeuer abgeben konnte. Die Knarre war, für jeden, der damit umgehen kann, sofort ersichtlich … gesichert! – Das schien mir eine klare – emblematische – Botschaft zu sein. Auf uns, so teilt uns jener ›Kämpfer-gegen-die-Islamisten‹ wortlos mit, dürft ihr als verbündete Kämpfer für eure Werte von Freedom & Democracy nicht hoffen!



Steffen Dietzsch ist Professor für Philosophie und Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Philosophie der Humboldt-Universität Berlin. Er ist Direktor des Kondylis-Instituts für Kulturanalyse und Alterationsforschung (Kondiaf). Seine Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Kantforschung und -biographik, Philosophie des Deutschen Idealismus und europäische Nietzsche-Rezeption.



